AGV
AGV steht für Automated Guided Vehicle und bezeichnet ein automatisch betriebenes, fahrerloses Transportfahrzeug. Es übernimmt Materialtransporte innerhalb eines vorgesehenen Einsatzbereichs und nutzt dafür eine geeignete Navigation und Steuerung. Das einzelne Fahrzeug ist von dem gesamten Transportsystem mit Leitsteuerung, Übergabestellen und betrieblicher Einbindung zu unterscheiden.
AGV, FTF und FTS unterscheiden
Im deutschen Sprachgebrauch wird für das Fahrzeug häufig die Abkürzung FTF, fahrerloses Transportfahrzeug, verwendet. Ein fahrerloses Transportsystem umfasst dagegen mehrere zusammenwirkende Bestandteile. Dazu können Fahrzeuge, Steuerung, Energieversorgung und die Einbindung in den Materialfluss gehören.
Diese Unterscheidung ist für Projekte wichtig. Ein Fahrzeug mit geeigneter Tragfähigkeit ist noch keine vollständige Transportlösung. Auftragsauslösung, Lastaufnahme, Zielübergabe und Rückmeldung müssen ebenfalls funktionieren.
AGV wird am Markt nicht immer einheitlich von autonomen mobilen Robotern abgegrenzt. Manche Beschreibungen verwenden AGV für eher vorgegebene Routen und AMR für eigenständigere Wegplanung. Tatsächlich gibt es auch als AGV bezeichnete Fahrzeuge mit Navigation anhand von Umgebungskarten. Die konkrete Fähigkeit ist daher wichtiger als das Etikett.
Welche Aufgaben übernehmen AGVs?
| Aufgabe | Mögliche Ausführung | Wichtige Voraussetzung |
|---|---|---|
| Behältertransport | Fahrzeug mit Lastplattform | Passende Aufnahme und Abgabe |
| Palettentransport | Fahrzeug mit Gabeln oder Übergabeeinrichtung | Geeignete Ladung und Übergabehöhe |
| Unterfahrtransport | Aufnahme eines vorgesehenen Ladungsträgers | Definierte Geometrie und Position |
| Schleppaufgabe | Zugfahrzeug mit Anhängern | Gesamte Zugkombination berücksichtigen |
| Produktionsversorgung | Transport zwischen Lager und Verbrauchsort | Bedarfssignal und Materialzuordnung |
Die geeignete Bauform ergibt sich aus Transportgut, Strecke und Übergabe. Neben dem Gewicht sind Abmessungen, Schwerpunkt und Handhabung wichtig. Eine reine Tragfähigkeitsangabe beantwortet deshalb nicht alle Fragen zur Eignung.
Navigation und Bewegung
Fahrerlose Fahrzeuge benötigen Informationen über ihre Position und den vorgesehenen Weg. Je nach Lösung können beispielsweise Markierungen, Referenzen oder Merkmale der Umgebung verwendet werden. Hersteller wie KUKA beschreiben auch unter der Bezeichnung AGV kartenbasierte Navigation ohne künstliche Bodenmarkierungen.
Navigation und Sicherheitsfunktionen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Eine Wegplanung bestimmt, wie ein Ziel erreicht werden soll. Schutzfunktionen müssen den Betrieb unter den vorgesehenen Bedingungen absichern. Ein erkannter alternativer Weg ist nicht allein deshalb für jede Last und Situation zulässig.
Für die Planung sind daher die tatsächlichen Betriebsbedingungen maßgeblich: verfügbare Wege, Boden, Übergabestellen und mögliche Hindernisse. Änderungen der Umgebung können eine erneute Prüfung der Eignung erfordern.
Praxisbeispiel: Ein Fahrzeug für Behältertransporte
Das folgende Beispiel ist fiktiv. Ein Betrieb möchte Behälter vom Lager zur Montage transportieren. Die Fahrt dauert durchschnittlich zwei Minuten, Aufnahme und Abgabe zusammen eine weitere Minute. Ohne zusätzliche Warte- und Ladezeiten ergibt sich eine Auftragszeit von drei Minuten.
Bei 60 vollständig verfügbaren Minuten wären rechnerisch 20 Aufträge pro Stunde möglich. Stehen aufgrund anderer Aufgaben und Unterbrechungen nur 45 Minuten zur Verfügung, sinkt diese vereinfachte Kapazität auf 15 Aufträge pro Stunde. Die reine Fahrgeschwindigkeit beschreibt die nutzbare Leistung somit nicht ausreichend.
Im Pilot stellt sich heraus, dass die Zielplätze gelegentlich belegt sind. Das Fahrzeug wartet, obwohl sein Antrieb und die Navigation fehlerfrei arbeiten. Das Team prüft deshalb Bereitstellregeln und Abholung am Ziel, bevor zusätzliche Fahrzeuge vorgesehen werden.
Das Beispiel ist keine vollständige Flottendimensionierung. Für eine reale Auslegung müssen zeitliche Schwankungen, Leerfahrten, Laden und gegenseitige Behinderungen betrachtet werden. Zusätzliche Fahrzeuge können an einer blockierten Übergabe sogar mehr Warteschlangen erzeugen.
Einbindung in das Gesamtsystem
Ein Transportauftrag benötigt eindeutige Quelle, Ziel und Lastzuordnung. Die Leitsteuerung kann Aufträge verteilen und den Verkehr koordinieren. Das Fahrzeug meldet seinen Zustand und den Bearbeitungsfortschritt. Welche Aufgaben zentral oder auf dem Fahrzeug liegen, hängt von der Architektur ab.
Die VDA 5050 beschreibt eine Kommunikationsschnittstelle zwischen mobilen Robotern und Leitsteuerung. Stand Oktober 2026 ist Version 3.0.0 vom März 2026 veröffentlicht. Sie unterstützt die Abstimmung unterschiedlicher Fahrzeuge, ersetzt aber keine vollständige Integration oder Prüfung des konkreten Betriebs.
Die Interoperabilität muss anhand der benötigten Funktionen geprüft werden. Eine allgemeine Angabe zur Schnittstellenunterstützung reicht nicht aus, wenn Versionen oder optionale Fähigkeiten voneinander abweichen.
Sicherheit und Einsatzbereich
ISO 3691-4:2023 behandelt Sicherheitsanforderungen und deren Verifikation für fahrerlose Flurförderzeuge und ihre Systeme. Die ISO nennt sowohl AGVs als auch AMRs als Beispiele innerhalb ihres Anwendungsbereichs. Die Normenübersicht führt die Ausgabe 2023 als veröffentlicht und eine Überarbeitung als Entwurf.
Die Betriebsumgebung ist dabei wesentlich. Fahrzeug, Last, Übergabe und Verkehrsbereich müssen zusammen betrachtet werden. Die Bezeichnung AGV oder eine vorhandene Hinderniserkennung ersetzt keine Beurteilung des konkreten Einsatzes.
Auch besondere Anwendungen können zusätzliche Fragen aufwerfen. Beispielsweise ist eine Schleppaufgabe nicht allein durch die Betrachtung des Zugfahrzeugs vollständig beschrieben. Für ein Projekt müssen die relevanten Anforderungen und Zuständigkeiten fachkundig festgelegt werden.
Einsatz wirtschaftlich und organisatorisch bewerten
Geeignete Aufgaben besitzen einen ausreichend klaren Ablauf und definierte Übergaben. Häufige ungeklärte Sonderfälle können den Aufwand für Eingriffe erhöhen. Vor einer Beschaffung sollte deshalb die Materialflussplanung den vorgesehenen Prozess beschreiben.
Zu den Aufwendungen gehören neben Fahrzeugen auch Integration, Infrastruktur, Wartung und betriebliche Betreuung. Die Bewertung sollte den gleichen Leistungsumfang mit anderen Lösungen vergleichen. Ein niedriger Fahrzeugpreis allein beschreibt keine günstige Gesamtlösung.
Für Störungen sind Abläufe erforderlich: Wer bearbeitet einen blockierten Auftrag? Wie wird ein nicht verfügbarer Zielplatz behandelt? Welche Versorgung bleibt während einer Unterbrechung möglich? Diese Fragen gehören zum Betriebskonzept.
Häufige Fragen zu AGV
Was bedeutet AGV auf Deutsch?
AGV steht für Automated Guided Vehicle. Im deutschen industriellen Kontext entspricht dies häufig dem fahrerlosen Transportfahrzeug, kurz FTF. Der Begriff bezeichnet zunächst das Fahrzeug. Das gesamte FTS umfasst weitere Bestandteile und Abläufe. Für eine Beschaffung sollte daher klar sein, ob nur ein Fahrzeug oder eine integrierte Transportlösung gemeint ist.
Braucht jedes AGV eine Linie auf dem Boden?
Nein. Es existieren unterschiedliche Navigationsverfahren, und auch als AGV bezeichnete Fahrzeuge können anhand von Umgebungskarten navigieren. Die Bezeichnung allein legt das Verfahren nicht zuverlässig fest. Im Projekt sind die konkreten Fähigkeiten, Voraussetzungen und Grenzen der angebotenen Lösung zu prüfen, einschließlich Änderungen der Einsatzumgebung.
Ist ein AGV dasselbe wie ein AMR?
Die Begriffe werden teilweise unterschiedlich und überlappend verwendet. Häufig wird AMR mit stärker eigenständiger Navigation verbunden. Daraus folgt aber keine allgemeingültige Trennung aller Produkte. Sinnvoll ist, Wegplanung, Hindernisverhalten, Leitsteuerung und Betriebsgrenzen konkret zu beschreiben, statt die Eignung allein aus der Bezeichnung abzuleiten.
Wie viele Transporte schafft ein Fahrzeug?
Das hängt vom vollständigen Auftragszyklus ab. Neben der Fahrt zählen Aufnahme, Abgabe, Leerbewegungen, Warten und Energieversorgung. Auch Verkehrsregeln und andere Fahrzeuge können die Leistung beeinflussen. Eine theoretische Höchstgeschwindigkeit genügt daher nicht zur Dimensionierung. Benötigt werden repräsentative Abläufe und eine Bewertung der relevanten Schwankungen.
Garantiert VDA 5050 eine sofort funktionierende Mischflotte?
Nein. Die Schnittstelle schafft eine gemeinsame Grundlage für Kommunikation. Die benötigten Versionen, Funktionen und betrieblichen Abläufe müssen trotzdem abgestimmt und getestet werden. Fahrzeugfähigkeiten, Lastübergaben und Sicherheitskonzept bleiben zusätzliche Integrationsaufgaben. Eine Schnittstellenangabe allein bestätigt daher keine vollständige Austauschbarkeit beliebiger Fahrzeuge und Leitsteuerungen.
Verwandte Begriffe
Quellen und weiterführende Informationen
- KUKA: omniMove, Herstellerbeispiel zur Verwendung des Begriffs AGV und Navigation.
- VDA: VDA 5050, Schnittstelle und Versionsstand.
- ISO 3691-4:2023, Anwendungsbereich und Veröffentlichungsstand.
Stand: Oktober 2026. Das Kapazitätsbeispiel ist fiktiv und vereinfacht.


