Lexikon·Digitaler Zwilling in der Produktion
DEXPI
DEXPI steht für Data EXchange in the Process Industry und bezeichnet eine Initiative sowie Spezifikationen für den strukturierten Datenaustausch in der Prozessindustrie. Im Mittelpunkt stehen Informationen aus der Planung und Beschreibung verfahrenstechnischer Anlagen. Gemeinsame Datenmodelle sollen den Austausch zwischen unterschiedlichen Engineering-Systemen erleichtern.
Welches Problem adressiert DEXPI?
Anlagenprojekte verbinden Betreiber, Planungsunternehmen und Lieferanten. Diese Beteiligten arbeiten häufig mit unterschiedlichen Anwendungen. Wird ein Fließbild nur als Bild oder PDF weitergegeben, bleibt es für Menschen lesbar, doch seine fachlichen Objekte und Beziehungen lassen sich nicht automatisch gleichwertig weiterverarbeiten.
DEXPI verfolgt deshalb einen datenzentrierten Austausch. Die offizielle Spezifikation beschreibt ein gemeinsames Modell auf Grundlage von ISO 15926. Ziel ist, technische Informationen über Systemgrenzen hinweg weiterzugeben und Medienbrüche bei Übergaben zu verringern. Die tatsächliche Qualität hängt weiterhin von den beteiligten Implementierungen und Quelldaten ab.
Ein erfolgreicher Austausch muss mehr leisten als die optisch ähnliche Darstellung einer Zeichnung. Wenn eine empfangende Anwendung eine Pumpe nur als grafisches Symbol kennt, fehlen möglicherweise Merkmale oder Verbindungen, die für eine weitere Bearbeitung benötigt werden.
Was umfasst DEXPI 2.0?
Die offizielle Spezifikation 2.0.0 wurde am 10. Oktober 2025 veröffentlicht. Sie verbindet ein Process-Modell und ein Plant-Modell. Das Process-Modell kann Informationen aus Block- und Prozessfließbildern einschließlich zugehöriger Prozessinformationen abbilden. Das Plant-Modell behandelt unter anderem Informationen aus Rohrleitungs- und Instrumentierungsfließbildern.
| Sicht | Typischer Informationsbezug | Frage im Projekt |
|---|---|---|
| Process | Verfahrenstechnischer Prozess und Ströme | Welche Prozessschritte und Stoffströme sind beschrieben? |
| Plant | Anlagentechnische Objekte und Verbindungen | Welche Komponenten sind wie verbunden? |
| Grafische Darstellung | Symbole und Anordnung im Fließbild | Bleibt das Bild nachvollziehbar? |
| Technische Merkmale | Eigenschaften der beschriebenen Objekte | Werden benötigte Angaben richtig übernommen? |
Die Tabelle ist eine vereinfachte Orientierung. Für einen konkreten Austausch ist die jeweilige Spezifikation maßgeblich. Außerdem muss geprüft werden, welche Inhalte die eingesetzten Werkzeuge tatsächlich exportieren und importieren können. Die Unterstützung einer älteren DEXPI-Ausgabe bedeutet nicht automatisch Unterstützung sämtlicher Inhalte von Version 2.0.
Grafik, Topologie und Merkmale unterscheiden
Die Grafik zeigt, wie ein Fließbild dargestellt wird. Die Topologie beschreibt, welche Objekte und Anschlüsse miteinander verbunden sind. Technische Merkmale ergänzen Eigenschaften der Objekte. Diese Ebenen hängen zusammen, sind aber nicht austauschbar.
Eine Linie kann optisch nahe an einer Pumpe enden, ohne im empfangenen Datenmodell korrekt mit deren Anschluss verbunden zu sein. Umgekehrt kann eine Verbindung technisch richtig vorliegen, während die grafische Darstellung unübersichtlich ist. Eine sinnvolle Prüfung muss daher sowohl fachliche Beziehungen als auch die nutzbare Darstellung berücksichtigen.
Bei Merkmalen sind Bedeutung, Datentyp und Einheit wichtig. Eine Zahl ohne eindeutigen Bezug lässt sich leicht falsch interpretieren. Die Interoperabilität hängt deshalb von einer gemeinsamen fachlichen Verständigung und der passenden technischen Umsetzung ab.
Praxisbeispiel: Ein Pumpensystem übergeben
Das folgende Beispiel ist fiktiv. Ein Planungsunternehmen erstellt ein Rohrleitungs- und Instrumentierungsfließbild mit einem Behälter, zwei Pumpen und den zugehörigen Rohrleitungen. Der Betreiber möchte die Informationen in seinem eigenen Engineering-System weiterverwenden.
Vor dem Austausch vereinbaren beide Seiten Version und benötigten Umfang. Dazu gehören die relevanten Objekte, deren Kennzeichnungen und die Verbindungen. Für ausgewählte Merkmale wird festgelegt, welche Angaben beim Empfänger verfügbar sein müssen. Ein repräsentativer Ausschnitt wird zuerst als Pilot übertragen.
Die Prüfung zeigt, dass beide Pumpensymbole sichtbar sind. Bei einer Pumpe fehlt jedoch eine benötigte Eigenschaft. Außerdem ist eine Verbindung nicht dem vorgesehenen Anschluss zugeordnet. Eine reine Sichtkontrolle der Zeichnung hätte diese Probleme möglicherweise übersehen.
Das Projektteam klärt die Ursache in Quelldaten, Export, Zuordnung oder Import. Nach der Korrektur wird derselbe Prüffall erneut ausgewertet. Erst wenn die vereinbarten Inhalte nachvollziehbar übernommen werden, wird der Austausch auf weitere Bereiche ausgedehnt. Das Beispiel beschreibt einen möglichen Prüfablauf und keine zugesicherte Produkteigenschaft.
Datenaustausch vorbereiten und prüfen
- Zweck beschreiben: Festlegen, was nach der Übergabe weiterbearbeitet werden soll.
- Version vereinbaren: Unterstützte Spezifikation auf beiden Seiten klären.
- Inhalte eingrenzen: Objekte, Merkmale und Beziehungen benennen.
- Pilot auswählen: Typische und anspruchsvolle Fälle einbeziehen.
- Ergebnis vergleichen: Vollständigkeit, Bedeutung und Verbindungen kontrollieren.
- Abweichungen bearbeiten: Ursachen und verbleibende Einschränkungen dokumentieren.
Auch Sonderfälle gehören in den Pilot: ungewöhnliche Komponenten, optionale Merkmale oder projektspezifische Erweiterungen. Ein einfacher Standardausschnitt kann eine technische Verbindung zeigen, ohne die gesamte spätere Vielfalt abzudecken.
Für wiederholte Übergaben ist außerdem festzulegen, wie Änderungen behandelt werden. Eine neue Datei kann Objekte ergänzen, verändern oder entfallen lassen. Die empfangende Seite muss erkennen können, welcher Stand für die weitere Arbeit maßgeblich ist. Der Austauschstandard ersetzt diese Projektregeln nicht vollständig.
Abgrenzung zu PDF, CAE-System und digitalem Zwilling
Ein PDF stellt Inhalte vor allem lesbar dar. DEXPI zielt auf den strukturierten Austausch fachlicher Informationen. Beide Formen können in einem Projekt unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Ein lesbares Dokument kann weiterhin nützlich sein, während strukturierte Daten die Weiterverarbeitung unterstützen.
DEXPI ist kein vollständiges Engineering-System. Die Erstellung, Prüfung und Bearbeitung erfolgt in geeigneten Anwendungen. Ebenso ist ein Datenaustauschmodell keine automatische technische Freigabe der beschriebenen Anlage. Die fachliche Planung bleibt unabhängig von der Übertragungsform erforderlich.
Ein digitaler Zwilling kann Engineering-Informationen verwenden. DEXPI kann deren Austausch unterstützen. Ein übergebenes Fließbild enthält aber nicht zwangsläufig sämtliche Informationen für jede Simulation oder Betriebsanalyse. Der benötigte Umfang ergibt sich aus dem konkreten Zweck.
Zusammenhang mit ALCIM und Verwaltungsschale
ALCIM betrachtet die Verwaltung von Anlageninformationen über den Lebenszyklus. Ein standardisierter Engineering-Datenaustausch kann dazu beitragen, Informationen zwischen Projekt und Betrieb weiterzugeben. Laufende Pflege, Zuständigkeit und Änderungsmanagement bleiben zusätzliche Aufgaben.
Die Verwaltungsschale bietet einen Ansatz zur digitalen Beschreibung von Assets und zur Bereitstellung von Informationen. DEXPI und Verwaltungsschale behandeln unterschiedliche, miteinander verbindbare Aufgaben. Eine konkrete Zuordnung muss jedoch geplant und auf die verwendeten Spezifikationen abgestimmt werden.
Die Datenqualität der Ausgangsinformationen bleibt entscheidend. Ein strukturierter Export kann eine falsche Kennzeichnung oder einen unvollständigen Datenstand unverändert weitergeben. Ein formal gültiger Austausch ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer fachlich richtigen Anlagenbeschreibung.
Häufige Fragen zu DEXPI
Was bedeutet die Abkürzung DEXPI?
DEXPI steht für Data EXchange in the Process Industry. Der Begriff bezeichnet die Initiative beziehungsweise den Verein und die zugehörigen Spezifikationen für den Datenaustausch in der Prozessindustrie. Im Projekt sollte zusätzlich angegeben werden, welche Spezifikationsversion und welcher Informationsumfang gemeint sind, damit die beteiligten Anwendungen passend abgestimmt werden können.
Ist DEXPI nur ein Austausch von Zeichnungen?
Nein. Der Zweck umfasst strukturierte fachliche Informationen, beispielsweise Objekte, Eigenschaften und Verbindungen. Die grafische Darstellung ist ein Bestandteil, aber nicht das einzige Prüfkriterium. Ein optisch korrektes Fließbild kann im Hintergrund unvollständige Beziehungen enthalten. Deshalb sollte auch die weitere fachliche Verarbeitung beim Empfänger getestet werden.
Unterstützt DEXPI auch Prozessfließbilder?
DEXPI 2.0 verbindet Process- und Plant-Modell in einer Spezifikation. Das Process-Modell berücksichtigt Informationen aus Block- und Prozessfließbildern. Ob die konkret eingesetzte Software die benötigten Inhalte unterstützt, muss separat geprüft werden. Eine allgemeine Herstellerangabe zur DEXPI-Unterstützung beschreibt nicht zwingend jeden Anwendungsfall oder jede Version.
Verhindert DEXPI jeden Informationsverlust?
Nein. Ein gemeinsames Modell soll den Austausch verbessern, doch das Ergebnis hängt von Quelldaten, unterstütztem Umfang und Implementierung ab. Projektspezifische Inhalte können zusätzliche Abstimmungen benötigen. Verlässlichkeit entsteht durch vereinbarte Anforderungen und geeignete Prüffälle. Eine erfolgreich eingelesene Datei allein belegt noch keine vollständige fachliche Übernahme.
Kann DEXPI eine technische Prüfung ersetzen?
Nein. DEXPI unterstützt die Übertragung und Weiterverarbeitung von Informationen. Ob die beschriebene Anlage technisch geeignet ist und die jeweiligen Anforderungen erfüllt, muss weiterhin fachlich geprüft werden. Datenübernahme, Modellkonsistenz und technische Bewertung sind miteinander verbunden, aber unterschiedliche Aufgaben. Die Verantwortlichkeiten sollten im Projekt ausdrücklich festgelegt sein.
Verwandte Begriffe
Quellen und weiterführende Informationen
- DEXPI Specification 2.0.0, veröffentlicht am 10. Oktober 2025.
- DEXPI 2.0: Introduction, Ziele sowie Process- und Plant-Modell.
Stand: Oktober 2026. Das Pumpensystembeispiel ist fiktiv.



