Lexikon·Produktionseffizienz

First Pass Yield

First Pass Yield, kurz FPY, ist der Anteil der Einheiten, die einen definierten Prozess beim ersten Durchlauf ohne fehlerbedingte Nacharbeit oder Wiederholung anforderungsgerecht abschließen. Die Kennzahl wird auf Deutsch häufig als Erstpassquote bezeichnet. Sie macht Qualitätsverluste sichtbar, die eine abschließende Gutquote nach erfolgreicher Nacharbeit verdecken kann.

First Pass Yield berechnen

FPY = im ersten Durchlauf fehlerfrei abgeschlossene Einheiten / in den Prozess eingegangene Einheiten × 100 Prozent

Die Einheiten und Prozessgrenzen müssen eindeutig feststehen. Eine Einheit kann ein Bauteil, eine Baugruppe oder ein anderer sinnvoller Mengenträger sein. Zähler und Nenner müssen zur gleichen betrachteten Gruppe gehören. Noch nicht abgeschlossene Einheiten dürfen nicht ohne festgelegte Regel wie fehlerhafte oder erfolgreiche Einheiten behandelt werden.

Die regulär vorgesehenen Arbeitsschritte und Prüfungen gehören zum Prozess. Eine planmäßige mehrstufige Prüfung ist nicht allein deshalb Nacharbeit, weil mehrfach gemessen wird. Fehlerbedingte Wiederholung, erneute Bearbeitung oder zusätzliche Klärung sind dagegen gesondert zu berücksichtigen. Diese Regeln sollten vor der Auswertung dokumentiert werden.

Fiktives Rechenbeispiel

In einen Montageprozess gehen 1.000 Baugruppen ein. 920 erfüllen die Anforderungen ohne zusätzliche Bearbeitung. 60 benötigen Nacharbeit und werden anschließend freigegeben. 20 werden endgültig als Ausschuss bewertet. Alle Einheiten sind abschließend beurteilt.

Größe Berechnung Ergebnis
First Pass Yield 920 / 1.000 × 100 92 Prozent
Nacharbeitsanteil 60 / 1.000 × 100 6 Prozent
Ausschussquote 20 / 1.000 × 100 2 Prozent
Abschließende Gutquote (920 + 60) / 1.000 × 100 98 Prozent

Die Differenz zwischen 92 und 98 Prozent zeigt den Anteil erfolgreich nachgearbeiteter Einheiten. Sie sagt noch nicht, wie aufwendig diese Nacharbeit war. Für die wirtschaftliche Bewertung werden zusätzlich Zeit, Material und Kosten benötigt. Ein Bauteil mit mehreren Fehlern zählt in der stückbezogenen FPY-Betrachtung nur einmal als nicht im ersten Durchlauf erfolgreich.

Abgrenzung zu anderen Qualitätskennzahlen

Die Ausschussquote betrachtet endgültig nicht verwendbare Einheiten. FPY berücksichtigt zusätzlich diejenigen Einheiten, die erst nach einem Eingriff die Anforderungen erfüllen. Deshalb kann eine niedrige Ausschussquote gleichzeitig mit einer schlechten Erstpassquote auftreten.

Fehler je Einheit ist ebenfalls eine andere Größe. Eine Einheit kann mehrere Fehler besitzen. FPY unterscheidet zunächst zwischen erfolgreichem und nicht erfolgreichem ersten Durchlauf. Die Zahl und Schwere der Fehler müssen ergänzend untersucht werden. Ein kritischer Fehler darf nicht aufgrund eines insgesamt hohen FPY-Werts vernachlässigt werden.

Auch der Qualitätsfaktor einer OEE ist nicht ohne Prüfung mit FPY gleichzusetzen. Die Zuordnung hängt von der verwendeten Gutmengendefinition, den Prozessgrenzen und der Behandlung von Nacharbeit ab. Einheitliche Bezeichnungen allein garantieren keine identischen Berechnungsregeln.

Mehrere Prozessschritte betrachten

Bei einer Prozesskette ist zu unterscheiden, ob die Erstpassquote einer einzelnen Station oder der gesamten Kette gemeint ist. Für die gesamte Kette sind diejenigen Einheiten relevant, die alle betrachteten Schritte ohne fehlerbedingte Wiederholung durchlaufen haben. Eine lückenlose Einheitenverfolgung liefert dafür eine belastbare Grundlage.

Das Produkt geeigneter schrittbezogener Erstpassraten wird häufig als Rolled Throughput Yield, kurz RTY, verwendet. Die Interpretation benötigt konsistente Nenner und Prozesspfade. Werden bedingte Erfolgsraten für dieselbe weiterverfolgte Gruppe gebildet, lässt sich die Kettenrate daraus berechnen. Werden dagegen unabhängige Monatsquoten unterschiedlicher Gruppen multipliziert, ist das Ergebnis nur unter zusätzlichen Annahmen interpretierbar.

Fiktives vereinfachtes Beispiel: Zwei passende bedingte Erfolgsraten betragen 95 und 90 Prozent. Die kombinierte Rate beträgt 0,95 × 0,90 = 0,855 beziehungsweise 85,5 Prozent. Das einfache Mittel von 92,5 Prozent wäre keine Kettenquote. Unterschiedliche Wege, Ausschleusungen und Rückführungen erfordern eine genauere Modellierung.

Daten erfassen und auswerten

Erforderlich sind eine eindeutige Einheit, ihr Eintritt in den Prozess und der Status des ersten Durchlaufs. Rückführungen dürfen nicht als zusätzliche neue Einheiten den Nenner vergrößern. Bei Seriennummern oder Chargen sollten die relevanten Ereignisse nachvollziehbar verbunden bleiben.

Für die Ursachenanalyse wird FPY nach geeigneten Produktgruppen, Fehlerbildern oder Prozessstufen aufgeschlüsselt. Sehr kleine Stichproben erzeugen stark schwankende Prozentwerte. Deshalb sollten immer die Mengen neben der Quote sichtbar sein. Ein Vergleich benötigt außerdem gleichbleibende Prüfanforderungen und ein geeignetes Messsystem.

First Pass Yield verbessern

Die Kennzahl verbessert sich nachhaltig, wenn Fehler seltener entstehen. Dazu können klare Arbeitsfolgen, geeignete Vorrichtungen, stabile Parameter und eine zuverlässige Materialbereitstellung beitragen. Poka Yoke kann bestimmte Fehlhandlungen verhindern oder unmittelbar erkennen.

Eine FMEA unterstützt die vorausschauende Bearbeitung möglicher Fehler. Bei messbaren Merkmalen kann eine Untersuchung der Prozessfähigkeit hilfreich sein, sofern deren Voraussetzungen erfüllt sind. Ein höherer FPY durch weniger strenge oder ausgelassene Prüfung ist dagegen keine nachgewiesene Qualitätsverbesserung.

FAQ zu First Pass Yield

Was ist ein guter FPY-Wert?

Ein allgemeiner Zielwert lässt sich nicht sinnvoll festlegen. Prozesskomplexität, Fehlerfolgen und Anforderungen unterscheiden sich erheblich. Maßgeblich sind die geforderte Qualität und eine konsistente Messung. Ein hoher FPY ersetzt keine Bewertung kritischer Einzelrisiken. Für Verbesserungen sind ein belastbarer Ausgangswert, Ursachenanalyse und eine nachvollziehbare Entwicklung hilfreicher als ungeprüfte Branchenvergleiche.

Zählen erfolgreich nachgearbeitete Teile zum FPY?

Sie zählen nicht als im ersten Durchlauf erfolgreiche Einheiten. Nach erfolgreicher Nacharbeit können sie zur abschließenden Gutmenge gehören. Genau diese Trennung macht den zusätzlichen Aufwand sichtbar. Werden nachgearbeitete Teile rückwirkend als Erstpass-Gutteile gebucht, verliert die Kennzahl ihren Zweck und kann eine instabile Produktion verdecken.

Wie werden mehrere Fehler an einem Teil gezählt?

Für FPY ist die Einheit entweder im ersten Durchlauf erfolgreich oder nicht. Mehrere Fehler an derselben Einheit erhöhen die Zahl nicht erfolgreicher Einheiten daher nicht mehrfach. Für die technische Ursachenanalyse sollten die einzelnen Fehler dennoch erfasst werden. Eine Fehlerhäufigkeit und eine Erstpassquote sind unterschiedliche Kennzahlen mit unterschiedlichen Nennern.

Kann FPY ohne Ausschuss steigen?

Ja. Wenn weniger Teile Nacharbeit oder fehlerbedingte Wiederholungen benötigen, steigt FPY auch bei unveränderter Ausschussquote. Der Nutzen kann sich in weniger Aufwand und kürzerer Durchlaufzeit zeigen. Für eine wirtschaftliche Bewertung sollten zusätzlich Nacharbeitsstunden und Kosten betrachtet werden, weil nicht jede vermiedene Wiederholung denselben Umfang besitzt.

Warum ist die Prozessgrenze wichtig?

Ein Teil kann eine Station beim ersten Versuch bestehen und zuvor bereits nachgearbeitet worden sein. Die lokale Erstpassquote sagt dann nichts über den fehlerfreien Gesamtdurchlauf aus. Deshalb muss angegeben werden, welche Schritte einbezogen sind. Für eine Kettenbetrachtung sind konsistente Statusinformationen über die gesamte betrachtete Folge erforderlich.

Verwandte Begriffe

Quellen und weiterführende Informationen

Stand: 14. Oktober 2026.