Produktionskennzahlen
Produktionskennzahlen sind quantitative Größen, mit denen Eigenschaften und Ergebnisse von Produktionsprozessen beschrieben und bewertet werden. Sie können Mengen, Zeiten, Qualität, Kosten oder Ressourceneinsatz betreffen. Als Key Performance Indicators, kurz KPI, werden diejenigen Kennzahlen genutzt, die für festgelegte Ziele und Entscheidungen besonders relevant sind.
Welche Aufgaben erfüllen Produktionskennzahlen?
Kennzahlen machen Abweichungen sichtbar, unterstützen die Planung und helfen, Verbesserungen zu überprüfen. Sie ersetzen jedoch keine Ursachenanalyse. Ein gesunkener Ausstoß kann beispielsweise aus weniger Nachfrage, Materialmangel, längeren Rüstvorgängen oder technischen Störungen entstehen. Derselbe Wert kann deshalb unterschiedliche Maßnahmen erfordern.
Ein wirksames Kennzahlensystem verbindet Unternehmensziele mit beeinflussbaren Prozessen. Eine Werkleitung benötigt andere Verdichtungen als ein Team an einer einzelnen Anlage. Beide Ebenen sollten auf konsistenten Definitionen beruhen. Lokale Ziele dürfen nicht dazu führen, dass sich der Gesamtfluss verschlechtert.
Wichtige Kennzahlengruppen
| Gruppe | Beispiele | Typische Entscheidung |
|---|---|---|
| Qualität | Ausschussquote, Nacharbeitsquote, Erstpassquote | Fehlerursachen priorisieren |
| Zeit und Lieferung | Durchlaufzeit, Rückstand, Terminerfüllung | Aufträge und Unterstützung koordinieren |
| Kapazität | Belastungsgrad, Engpassbedarf, Anlagenzustände | Kapazität anpassen |
| Produktivität | Gutteile je Arbeits- oder Maschinenstunde | Ressourceneinsatz beurteilen |
| Kosten | Stückkosten, Fehlerkosten, Kostenabweichung | Wirtschaftliche Wirkung bewerten |
| Energie und Material | Verbrauch je Gutteil, Materialausbeute | Ressourcenverluste reduzieren |
Die OEE fasst bestimmte Anlagenverluste zusammen. Produktivität beschreibt das Verhältnis von Ausbringung und Einsatz. Kapazitätsauslastung betrachtet die Beanspruchung einer verfügbaren Kapazität. Diese Größen sollten nicht als austauschbare Bezeichnungen für dieselbe Leistung verwendet werden.
Jede Kennzahl benötigt eine Definition
Eine brauchbare Kennzahl besitzt einen dokumentierten Steckbrief. Er nennt Zweck, Formel, Einheit, Systemgrenze, Zeitraum und Datenquelle. Zusätzlich werden Ein- und Ausschlussregeln, Verantwortliche und die vorgesehene Reaktion auf Abweichungen festgelegt. Auch Änderungen der Berechnungslogik müssen nachvollziehbar bleiben.
- Welche konkrete Frage soll beantwortet werden?
- Welche Mengen oder Zeitanteile gehören in Zähler und Nenner?
- Wie werden Ausschuss, Nacharbeit und offene Vorgänge behandelt?
- Wie häufig wird aktualisiert und wann ist ein Zeitraum abgeschlossen?
- Wer prüft fehlende oder widersprüchliche Daten?
- Welche Entscheidung folgt aus einer Abweichung?
Eine Kennzahl ohne Handlungsbezug kann zusätzlichen Erfassungsaufwand verursachen, ohne die Führung zu verbessern. Umgekehrt darf nicht nur gemessen werden, was bereits bequem im System verfügbar ist. Die Auswahl beginnt beim Ziel und prüft anschließend die erforderliche Datengrundlage.
Fiktives Beispiel: Prozentwerte richtig zusammenfassen
Eine erste Schicht erzeugt 100 Teile mit zehn Ausschussteilen. Ihre Ausschussquote beträgt zehn Prozent. Eine zweite Schicht erzeugt 900 Teile mit 18 Ausschussteilen, entsprechend zwei Prozent. Der einfache Mittelwert der beiden Quoten wäre sechs Prozent und beschreibt die Gesamtproduktion falsch.
Für die Gesamtquote werden die Mengen zusammengeführt: (10 + 18) / (100 + 900) × 100 = 2,8 Prozent. Das Beispiel zeigt, warum die zugrunde liegenden Zähler und Nenner erhalten bleiben sollten. Auch andere Verhältniskennzahlen benötigen eine passende Gewichtung statt eines unkritischen Mittelwerts.
Vergleichbarkeit und Datenqualität
Vergleiche zwischen Schichten oder Werken benötigen vergleichbare Produkte, Zeitmodelle und Prozessgrenzen. Unterschiedliche Fertigungstiefen oder Prüfregeln können Werte verändern, ohne dass ein Prozess besser oder schlechter arbeitet. Ein Kennzahlenranking ist deshalb kein Ersatz für eine fachliche Einordnung.
Automatische Erfassung durch ein MES kann Aktualität und Detailtiefe verbessern. Fehlerhafte Zustandszuordnungen, doppelte Mengenzählungen oder unvollständige Rückmeldungen bleiben dennoch möglich. Plausibilitätsprüfungen und ein geregelter Umgang mit Datenlücken sind Teil der Kennzahlenarbeit.
Ziele und Nebenwirkungen
Ein einzelnes Ziel kann unerwünschtes Verhalten auslösen. Wird nur Auslastung belohnt, können unnötige Bestände entstehen. Wird allein eine niedrige Ausschussquote verfolgt, kann mehr Nacharbeit außerhalb der Auswertung stattfinden. Deshalb werden geeignete Gegenkennzahlen benötigt, beispielsweise Lieferleistung zusammen mit Bestand oder Endqualität zusammen mit Erstpassqualität.
Zielwerte können aus Kundenanforderungen, technischen Grenzen, einer belastbaren Ausgangsbasis oder geeigneten Vergleichen abgeleitet werden. Ungeprüfte Branchenwerte sind keine verlässliche Vorgabe. Eine rote Anzeige sollte eine sachliche Prüfung auslösen und nicht automatisch eine Schuldzuweisung an Beschäftigte.
Kennzahlen im Tagesgeschäft nutzen
Im Shopfloor Management werden wenige aktuelle Kennzahlen mit konkreten Abweichungen und Maßnahmen verbunden. Für eine vertiefte Untersuchung können weitere Daten benötigt werden. Eine übersichtliche tägliche Darstellung und eine detaillierte Ursachenanalyse erfüllen unterschiedliche Zwecke.
Für Verbesserungsprojekte sind Ausgangsbasis, erwartete Wirkung und Kontrollzeitraum vor der Änderung festzulegen. Die Kennzahl sollte unter repräsentativen Bedingungen geprüft werden. Ein positiver Einzelwert belegt noch keine stabile Verbesserung. Auch die Durchlaufzeit und Qualität nachgelagerter Prozesse können betroffen sein.
FAQ zu Produktionskennzahlen
Wie viele Kennzahlen braucht ein Produktionsbereich?
So viele, wie für die relevanten Entscheidungen erforderlich sind, und so wenige, dass sie verstanden und genutzt werden. Eine allgemeine feste Anzahl ist nicht sinnvoll. Wichtig ist eine ausgewogene Betrachtung der wichtigsten Ziele. Zusätzliche Analysekennzahlen können bei Bedarf ergänzt werden, ohne die tägliche Führungsübersicht dauerhaft zu überladen.
Was unterscheidet eine Kennzahl von einem KPI?
Eine Kennzahl beschreibt einen messbaren Sachverhalt. Ein KPI besitzt darüber hinaus eine hervorgehobene Bedeutung für ein bestimmtes Ziel oder eine Führungsentscheidung. Nicht jede verfügbare Messgröße ist deshalb ein Schlüsselindikator. Die Auswahl sollte aus den Anforderungen des Prozesses entstehen und regelmäßig auf ihren tatsächlichen Nutzen geprüft werden.
Dürfen Kennzahlen zwischen Standorten verglichen werden?
Ja, wenn Definitionen, Zeiträume und wesentliche Rahmenbedingungen vergleichbar sind. Produktmix, Fertigungstiefe, Automatisierung und Kostenabgrenzungen müssen berücksichtigt werden. Andernfalls können strukturelle Unterschiede wie Leistungsunterschiede erscheinen. Ein Vergleich sollte deshalb zur Ursachenklärung beitragen und nicht allein aus einer Rangliste von Prozentwerten bestehen.
Warum sind absolute Mengen neben Quoten wichtig?
Eine Quote zeigt einen relativen Anteil, aber nicht dessen Größenordnung. Zehn Prozent Ausschuss bei zehn Teilen entsprechen einem anderen wirtschaftlichen Umfang als bei zehntausend Teilen. Für Aggregation und Priorisierung werden deshalb auch Zähler, Nenner und gegebenenfalls Kosten benötigt. Reine Prozentanzeigen können erhebliche Unterschiede zwischen Perioden verdecken.
Wann sollte eine Kennzahl geändert werden?
Wenn sich Ziel, Prozess oder Datenbasis wesentlich verändert haben oder die Kennzahl keine sinnvolle Entscheidung mehr unterstützt. Änderungen sollten dokumentiert und historische Vergleiche entsprechend eingegrenzt werden. Eine Formel darf nicht nur deshalb angepasst werden, weil der aktuelle Wert ungünstig aussieht. Der fachliche Zweck und die Vergleichbarkeit müssen erhalten bleiben.
Verwandte Begriffe
Quellen und weiterführende Informationen
- Kang et al., NIST: A Hierarchical Structure of Key Performance Indicators for Operation Improvement in Production Systems, 2016 – Beziehungen zwischen Produktionskennzahlen.
- Hester et al., NIST: A Method for Key Performance Indicator Assessment in Manufacturing Organizations, 2017 – zielbezogene Bewertung von KPI.
Stand: 14. Oktober 2026.



