Lexikon·Intralogistik

Routenzug

Ein Routenzug ist eine Transportkombination aus einem Zugfahrzeug und einem oder mehreren Anhängern, die Material zu mehreren Bereitstellorten befördert. Im Produktionsbetrieb wird er häufig auf abgestimmten Routen und in wiederkehrenden Intervallen eingesetzt. Ein funktionierendes Routenzugsystem umfasst außerdem Beladung, Übergaben, Rückführung und die zugehörige Steuerung.

Wie funktioniert ein Routenzug?

Am Ausgangspunkt werden vorgesehene Ladungsträger bereitgestellt und übernommen. Der Zug fährt die festgelegten Haltepunkte an, liefert Material ab und kann gleichzeitig Leergut oder Restmaterial aufnehmen. Anschließend kehrt er für den nächsten Umlauf zurück.

Die technische Ausführung kann unterschiedlich sein. Einige Systeme übernehmen ganze Wagen oder Trolleys, andere verwenden eigene Lastaufnahmen. Auch der Automatisierungsumfang variiert. Hersteller wie STILL beschreiben sowohl bediente als auch automatisierte Routenzuglösungen.

Entscheidend ist der Zusammenhang mit der Versorgung. Ein Schlepper mit Anhängern allein definiert noch keinen verlässlichen Ablauf. Mengen, Haltepunkte und Rückmeldungen müssen zur Produktion passen.

Routenzug und Milkrun

Ein Milkrun ist ein Versorgungskonzept, bei dem mehrere Abgabe- oder Abholpunkte in einem abgestimmten Umlauf bedient werden. Ein Routenzug kann dieses Konzept ausführen. Die Begriffe sind deshalb eng verbunden, aber nicht vollständig identisch.

Der Routenzug beschreibt vor allem die Transportkombination und ihren Einsatz. Das Milkrun-Konzept beschreibt die Organisation der Versorgung. Für einen konkreten Betrieb sind sowohl geeignete Fahrzeuge als auch passende Regeln erforderlich.

Auch ein regelmäßiger Fahrplan allein genügt nicht. Wenn das Material vor der Abfahrt nicht vollständig bereitsteht oder Zielplätze belegt sind, kann der Umlauf seine Aufgabe nicht wie vorgesehen erfüllen.

Welche Größen bestimmen die Auslegung?

Größe Bedeutung Beispielfrage
Bedarf Materialmenge je Zeitabschnitt Was muss je Umlauf geliefert werden?
Ladungsträger Abmessungen und Handhabung Welche Anhänger passen?
Route Weg und Haltepunkte Welche Verbindung ist praktikabel?
Umlaufzeit Gesamtdauer eines Umlaufs Passt die Versorgung zum Intervall?
Kapazität Nutzbare Transportplätze und Lasten Reicht der Zug auch bei relevanten Spitzen?
Rückführung Leergut und Restmaterial Wo entstehen zusätzliche Platzbedarfe?

Die maximale Anzahl von Anhängern ist keine frei wählbare Optimierungsgröße. Technische Vorgaben und örtliche Bedingungen sind zu berücksichtigen. Für die Anwendung müssen Zugfahrzeug, Anhänger, Last und Strecke zusammenpassen.

Praxisbeispiel: Umlaufzeit berechnen

Das folgende Beispiel ist fiktiv. Ein Routenzug benötigt für die reine Fahrt zwölf Minuten. An vier Haltepunkten werden jeweils zwei Minuten für die Übergabe angesetzt. Die Beladung am Ausgangspunkt dauert fünf Minuten. Insgesamt ergibt sich eine geplante Umlaufzeit von 25 Minuten.

Bei einem vorgesehenen Abfahrtsintervall von 30 Minuten verbleiben rechnerisch fünf Minuten zwischen Umlauf und nächster Abfahrt. Diese Differenz ist keine Garantie für ausreichende Robustheit. Schwankungen, Störungen und weitere Aufgaben können sie aufbrauchen.

Steigt die Übergabezeit an jedem Halt auf drei Minuten, dauert der Umlauf 29 Minuten. Der verbleibende Abstand zur nächsten Abfahrt sinkt auf eine Minute. Das zeigt, wie stark die Übergaben das Ergebnis beeinflussen, obwohl die Fahrstrecke unverändert bleibt.

Das Team untersucht deshalb die tatsächlichen Haltezeiten und deren Ursachen. Unklare Abstellplätze oder nicht vorbereitete Ladungsträger können die Versorgung stärker beeinflussen als eine geringe Änderung der Fahrgeschwindigkeit. Das Beispiel dient der Ablaufanalyse und ersetzt keine technische Dimensionierung.

Beladung und Bereitstellung

Die Beladung muss zur Reihenfolge der Haltepunkte und zur Handhabung passen. Ein ungünstig angeordneter Ladungsträger kann zusätzliche Bewegungen oder Umladen verursachen. Zugleich müssen Lastgrenzen und die vorgesehene Ladungssicherung berücksichtigt werden.

Am Verbrauchsort sind geeignete Übergabeplätze erforderlich. Voll- und Leergut sollten eindeutig zugeordnet werden können. Wenn Plätze regelmäßig blockiert sind, entsteht Wartezeit oder Material wird ungeplant abgestellt.

Die Produktionslogistik muss außerdem bestimmen, wann Nachschub ausgelöst wird. Ein Kanban-Signal kann Teil dieser Steuerung sein. Seine Auslegung muss jedoch den vollständigen Nachschubablauf bis zur nächsten nutzbaren Lieferung berücksichtigen.

Fahrplan und Schwankungen

Regelmäßige Intervalle können die Versorgung übersichtlich machen. Voraussetzung ist, dass Mengen und Aufwände innerhalb der vorgesehenen Kapazität bleiben. Eine gleichmäßige Route kann trotzdem überlastet werden, wenn der Produktmix plötzlich mehr große Ladungsträger erfordert.

Für Ausnahmen sollten Regeln bestehen. Wie werden dringende Bedarfe behandelt? Wann wird eine Sonderfahrt ausgelöst? Wie werden verbleibende Mengen in den nächsten Umlauf übernommen? Ungeplante Sonderfahrten dürfen nicht dauerhaft einen unpassenden Grundprozess verdecken.

Die Planung sollte neben durchschnittlichen Mengen repräsentative Spitzen betrachten. Ein hoher Füllgrad kann wirtschaftlich erscheinen, lässt aber wenig Spielraum für Schwankungen. Entscheidend ist die zuverlässige Versorgung und nicht allein die maximale Auslastung jedes Umlaufs.

Bedienter und automatisierter Routenzug

Automatisierung kann sich auf die Fahrt, auf Lastübergaben oder auf weitere Schritte beziehen. Ein automatisiert fahrender Schlepper bedeutet nicht automatisch, dass auch Beladung und Entladung ohne Bedienung erfolgen. Der Umfang muss konkret beschrieben werden.

Bei einer automatisierten Lösung sind Übergabestatus und Kommunikation besonders wichtig. Der Zug muss erkennen beziehungsweise übermittelt bekommen, ob eine Station bereit ist. Die Integration in ein FTS-Umfeld benötigt passende Abläufe und Zuständigkeiten.

Unabhängig vom Automatisierungsgrad ist die gesamte Zugkombination zu betrachten. Anhänger, Kurvenverhalten, Lasten und Fahrbereich beeinflussen die Anwendung. Die Eignung eines Zugfahrzeugs allein reicht nicht zur Bewertung des vollständigen Systems.

Einführung und Erfolgskontrolle

  1. Materialbedarf erfassen: Mengen und Ladungsträger nach Zeitabschnitten untersuchen.
  2. Route gestalten: Haltepunkte und Rückführung abstimmen.
  3. Umlauf berechnen: Fahrt, Halte, Beladung und weitere Zeiten berücksichtigen.
  4. Kapazität prüfen: Lasten und relevante Spitzen betrachten.
  5. Pilot fahren: Tatsächliche Zeiten und Störungen aufnehmen.
  6. Regeln verbessern: Nachschub, Übergaben und Ausnahmebehandlung anpassen.

Materialflussplanung unterstützt die Einordnung in den Gesamtprozess. Geeignete Kennzahlen sind beispielsweise Versorgungszuverlässigkeit, Umlaufzeit, Sonderfahrten und Aufwand je vergleichbarer Leistung. Eine hohe Anzahl transportierter Behälter allein sagt wenig über die Qualität der Versorgung aus.

Häufige Fragen zum Routenzug

Ist ein Routenzug dasselbe wie ein Milkrun?

Nicht vollständig. Der Routenzug ist die Transportkombination beziehungsweise ihre konkrete Nutzung. Milkrun bezeichnet das organisierte Versorgungskonzept mit mehreren Punkten in einem Umlauf. Ein Routenzug kann einen Milkrun ausführen. Für eine funktionierende Lösung müssen technische Ausführung und organisatorische Regeln gemeinsam zum Bedarf passen.

Wie wird die Umlaufzeit bestimmt?

Sie umfasst die für den definierten Umlauf erforderlichen Zeiten, insbesondere Fahrt, Halte und Übergaben sowie Beladung nach der gewählten Abgrenzung. Zusätzliche Aufgaben und Wartezeiten sind ebenfalls zu berücksichtigen. Die reine Fahrzeit reicht nicht aus. Wichtig ist außerdem, Schwankungen zu erfassen und die Zeitgrenze eindeutig zu benennen.

Sind mehr Anhänger immer wirtschaftlicher?

Nein. Zusätzliche Anhänger können Kapazität erhöhen, beeinflussen aber Handhabung, Fahrverhalten und örtliche Eignung. Auch längere Belade- und Haltezeiten können entstehen. Die zulässige Kombination richtet sich nach technischen Vorgaben und Einsatzbedingungen. Wirtschaftlichkeit muss über den vollständigen Versorgungsablauf beurteilt werden, nicht allein über Transportplätze.

Kann ein Routenzug vollständig automatisiert werden?

Entsprechende Lösungen können Fahrt und Übergaben automatisieren. Der tatsächliche Umfang hängt jedoch von Technik und Prozess ab. Bereitstellung, Ladungsträger und Stationskommunikation müssen geeignet sein. Eine automatisierte Fahrt allein bedeutet keine vollständig automatisierte Versorgung. Im Projekt sollte jeder Arbeitsschritt mit seiner Zuständigkeit beschrieben werden.

Wann sind Sonderfahrten ein Warnsignal?

Einzelne Sonderfahrten können begründete Ausnahmen sein. Treten sie regelmäßig auf, sollte geprüft werden, ob Bedarf, Kapazität oder Nachschubregeln unpassend sind. Auch verspätete Signale und blockierte Übergaben können Ursachen sein. Die Anzahl allein genügt nicht; wichtig sind Anlass, Häufigkeit und Auswirkungen auf den regulären Ablauf.

Verwandte Begriffe

Quellen und weiterführende Informationen

Stand: Oktober 2026. Das Umlaufbeispiel ist fiktiv.